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Aktuelle Nachrichten

Erster Energiegipfel des DeSH: Emissionsgrenzwerte sorgen für Unsicherheit in der Holzindustrie 08.05.2018

Mark Becker DIHK<br><span style='float:right; font-size:11px;font-weight:normal;'>© DeSH/Christina Reimann</span> Mark Becker DIHK
© DeSH/Christina Reimann

Steigende Energiekosten und verschärfte Emissionsgrenzwerte gehören inzwischen zu den zentralen Problemstellungen der Säge- und Holzindustrie. Um den energiepolitischen Herausforderungen geschlossen zu begegnen, lud der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband (DeSH) am 26. und 27. April 2018 zum ersten Energiegipfel nach Würzburg ein.

„Die Holzindustrie ist von den wirtschaftlichen und gesetzlichen Entwicklungen im Energiesektor sowohl als Erzeuger wie auch Verbraucher betroffen. Uns war es daher wichtig, den Themenkomplex in einer eigenen Veranstaltung umfassend und interdisziplinär zu erörtern“, sagt DeSH-Hauptgeschäftsführer Lars Schmidt. Als externe Experten konnte der Verband Dr. Andreas Schütte, Geschäftsführer der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR), Dr. Florian Brahms von der Kanzlei Brahms und Kollegen, Carl W. Seitz von KBT Bioenergie Technologie GmbH, Ekkehard Wiechel von der Effizient-Agentur NRW und Mark Becker vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) gewinnen.

Regelungsdichte im Energiesektor nimmt stetig zu

„Gerade beim Thema Energie ist ein enger Bezug zur Praxis wichtig. Von zentraler Bedeutung ist daher, dass die Branche ihre Anliegen für diesen Bereich klar formuliert“, erläuterte Dr. Schütte zu Beginn" der Veranstaltung. Eine Möglichkeit hierfür ist der Dialogprozess „Charta für Holz 2.0“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), den die FNR koordiniert. 

Wo die Sorgen der 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Holz- und Holzpelletindustrie derzeit liegen, zeigte sich im Verlauf des Gipfels: „Die geplante Verschärfung der Emissionsgrenzwerte im Zuge der Umsetzung einer europäischen Verordnung über mittelgroße Feuerungsanlagen (MCP-VO) schwebt wie ein Damoklesschwert über den Beteiligten“, fasst Julia Möbus, Politische Referentin des DeSH, zusammen. Viele Anlagenbetreiber seien in Unsicherheit und würden Investitionen scheuen, da unklar sei, welche Grenzwerte und Übergangsfristen künftig gelten.

Emissionsverordnung: Rückschritt im Klimaschutz?

Die Sägebetriebe in Deutschland betreiben durchschnittlich zwei Anlagen im Leistungsbereich von 1 bis 50 Mega-Watt zur Wärme- und Stromerzeugung. Sollte die Bundesrepublik die EU-Vorgaben für Emissionswerte wie in den Entwürfen der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft) aus den Jahren 2015 und 2016 geplant umsetzen, würden die Ausstoßgrenzen in Deutschland um bis zu 60 Prozent sinken. „Das wäre das Ende für viele ressourceneffiziente Anlagen und ein extremer Rückschritt für den Klimaschutz“, erklärt Möbus. In dem Vortrag von Carl W. Seitz vom Anlagenhersteller KBT Bioenergie Technologie GmbH wurde deutlich,  dass die Nachrüstung von Elektro- oder Gewebefiltern aufgrund technischer und räumlicher Anforderungen komplex und wirtschaftlich für viele Unternehmen nicht darstellbar ist. Infolge unverhältnismäßiger Grenzwerte müssten die Betriebe zur Energiegewinnung anstelle eigener Reststoffe und Koppelprodukte wieder auf fossile Brennstoffe zurückgreifen. „Solch ein Marktanzreiz entspricht weder den deutschen, noch den europäischen Klima- und Energiezielen. Im Gegenteil: er konterkariert die angestrebte Kaskadennutzung der nachwachsenden Ressource Holz zur Erzeugung erneuerbarer Prozesswärme und Strom“, kritisiert Möbus. 

DeSH setzt sich für  praxistaugliche Richtwerte ein

Der DeSH steht hinsichtlich der Umsetzung der MCP-Richtlinie in engem Austausch mit den Fachministerien und setzt sich für eine moderate und praxistaugliche Absenkung der Emissionswerte für Neu- und Bestandsanlagen ein. Konkret plädiert der Verband zur Wahrung von Rechts- und Planungssicherheit für Übergangsfristen bis 2025 und europäische Wettbewerbsgleichheit durch die Verhinderung nationaler Sonderwege. 

Seit März 2018 werden europaweit die besten verfügbaren Techniken (BVT) für mittelgroße Feuerungsanlagen erhoben, um einen maßgebenden Stand der Technik für den Leistungsbereich von 1- bis 50-Mega-Watt-Anlagen zu ermitteln. In Deutschland wird der Prozess vom Umweltbundesamt (UBA) koordinierten. Der DeSH bringt seine Praxiserfahrungen in das Verfahren ein und weist auf mögliche Auswirkungen auf die Branche hin. 

EEG-Ausschreibungen kommen langsam in der Branche an

In Vorbereitung auf die neuerliche Ausschreibungsrunde im Herbst 2018 bildete das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) einen weiteren Schwerpunkt des ersten Energiegipfels. „Mit dem EEG 2017 wurde den bestehenden ressourceneffizienten Biomasseanlagen eine Anschlussperspektive eröffnet. Nun gilt es, die Potenziale der Holzenergie entschlossen auszuschöpfen“, sagt Schmidt. 

Nachdem die EEG-Förderung von Festvergütung auf wettbewerbliche Ausschreibung umgestellt wurde, war die Beteiligung der Branche sehr zurückhaltend. Rechtsanwalt Dr. Florian Brahms von der Kanzlei Brahms und Kollegen konnte die Skepsis einiger Teilnehmerinnen und Teilnehmer, bei denen die EEG-Förderzeiträume für die bestehenden Anlagen in den kommenden Jahren auslaufen, abbauen: „„Da das Ausschreibungsvolumen in der ersten Runde mit 27 MW von 120 MW bei weitem nicht ausgeschöpft wurde, ergibt sich für die kommende Ausschreibung im Herbst ein entsprechend großer Korridor, der es vielen Unternehmen ermöglicht, sich zu beteiligen und dadurch auch die Zuschlagserteilung wahrscheinlicher werden lässt.“ Eine hilfreiche Information war für viele Betriebe, dass Anlagenbetreiber den Start der Förderung innerhalb von drei Jahren selbst festlegen können. 

Messverfahren in der EEG-Ausgleichsregelung strittig

Hitzige Diskussionen im Vorfeld und während des Gipfels löste die Messung weitergegebenen Stroms an Dritte aus. Schmidt: „In den vergangenen Wochen herrschte Unsicherheit in der Branche, ob die Weitergabe von Strom beispielsweise an im Unternehmen tätige Dienstleister wie Handwerker mit geeichten Zählern zu messen ist. Das ist in der Praxis nicht umsetzbar und würde zu einem unverhältnismäßigen Aufwand führen.“ Der DeSH, der sich gemeinsam mit anderen Branchenverbänden für ein adäquates Verfahren ausgesprochen hatte, begrüßt die vom Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) jüngst zur Diskussion gestellten Eckpunkte zur Sache, da sie einer derart kleinteiligen Messung eine klare Absage erteilen und auf eine rechtssichere und praxistaugliche Lösung setzen.

Strompreis und Steuern belasten Unternehmen auf Verbraucherseite

Nicht nur auf Erzeugerseite hat die Holzindustrie aktuell mit Problemen zu kämpfen. Die Energiekosten für die stromintensive Produktion sind, hinter Italien, europaweit die zweithöchsten und inzwischen maßgeblich zum Wettbewerbsfaktor geworden. Die Gesamtbelastung der Strompreise durch Steuern und Abgaben wuchs von 17 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf 35 Milliarden Euro in 2017. Der Strompreis für die Industrie stieg in diesem Zeitraum von 12,07 Cent/ Kilowattstunde (kWh) auf 17,09 Cent/ Kilowattstunde (kWh), referierte Mark Becker, Referatsleiter Betriebliches Energiemanagement beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und mahnte: „Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit.“ Julia Möbus appelliert an die Regierung: „Für ein Industrieland wie Deutschland braucht es eine Ausgestaltung der Stromsteuer, die deutsche Unternehmen im internationalen Wettbewerb nicht übermäßig belastet und gleichzeitig dem Klima dient.“

Branche will ressourceneffiziente Energieerzeugung vorantreiben

In Ausblick auf künftige Energiethemen legte der DeSH seine Positionen zur Erneuerbaren-Energien-Richtlinie II (RED II), der Novelle der Altholzverordnung und Holzasche dar. Gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Energiegipfels erklärte der Verband die Absicht, die ressourceneffiziente Erzeugung erneuerbarer Prozesswärme und Strom aus anfallenden Reststoffen der Produktionsprozesse im Rahmen der Sektorkopplung unter verlässlichen und umsetzbaren Rahmenbedingungen weiter voranzutreiben: „Als nachhaltigste Industriebranche wollen wir gemeinsam unseren Beitrag zu Klimaschutz, Ressourceneffizienz und regionaler Wertschöpfung leisten“, zieht Lars Schmidt ein positives Fazit des ersten Energiegipfels.