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Diskrepanz zwischen Marktentwicklung und Auswirkungen vor Ort

Rubrik: Mitgliedernews 27.04.2021

Berlin, 27.04.2021

Hohe Marktdynamik sorgt für Unruhe

Diskrepanz zwischen Marktentwicklung und Auswirkungen vor Ort

In den vergangenen Wochen häuften sich Branchen- und Medienberichte über fehlendes Bauholz. Der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband e.V. (DeSH) sieht den Markt durch Sondereffekte beeinflusst und appelliert daran, die Dynamik nicht weiter zu befeuern. In den ersten beiden Monaten des Jahres 2021 konnte die Herstellung von Holzprodukten nochmals um 11 Prozent gesteigert werden, der Export verbleibt auf Vorjahresniveau.

„Bedingt durch die Sondereffekte der Corona-Pandemie und Verwerfungen auf den Weltmärkten erleben wir derzeit ein hochdynamisches Geschehen auf dem Holzmarkt, dass durch die aktuelle Debatte weiter befeuert wird. Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch, dass die Produktion von Holzprodukten auch im Februar mit einem Plus von mehr als 11 Prozent nochmal deutlich gestiegen, der Export mit einer Steigerung von 0,7 Prozent jedoch nahezu unverändert auf Vorjahresniveau geblieben ist. Ungeachtet der Marktzahlen herrscht dennoch eine extreme Verunsicherung am Markt", sagt Jörn Kimmich, Präsident des Deutschen Säge- und Holzindustrie Bundesverbandes e.V. (DeSH).

Weltweiter Bau-Boom durch Corona: Preissteigerungen bei allen Baustoffen

Die gestiegene Nachfrage nach Holz aus Deutschland ist eingebettet in einen globalen Bau-Boom. Vielerorts erlebt das klimafreundliche Material inzwischen politische und gesellschaftliche Förderung. Im Zuge der Corona-Pandemie verschoben sich zudem private Prioritäten: Über die ganze Welt wurden Bau- und Renovierungsprojekte vorangetrieben. Allein in Deutschland wuchs die Zahl der genehmigten Ein- und Zweifamilienhäuser im Januar knapp um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr ebenso wie der Bau von Kitas, Büros und dem Hochbau. Starken Zuwachs erleben auch die USA (+10 Prozent). Der Anteil an Holzbauten steigt hierzulande seit einigen Jahren konstant um ein Prozent. „Die Nachfrage nach Holz freut uns natürlich. Die starken Preisanstiege aller baunahen Produkte wie Stahl, Beton und Zement sowie der Zuschlagstoffe und Bindematerialien zeigen aber, dass sich der Boom auf nahezu alle Materialien auswirkt", erklärt Kimmich.

Marktentwicklungen im Februar 2021

Der gewachsene Holzmaterialbedarf in Nordamerika kann aufgrund von Käferschäden und Bränden derzeit nur eingeschränkt aus den dortigen Wäldern versorgt werden. Da auch in China zunehmend auf Holzbauten gesetzt wird und Russland einen Exportstopp für Rundholz verhängte, geht der DeSH für 2021 davon aus, dass die weltweite Nachfrage die globale Produktion übersteigen wird. Anders als kolportiert zeigen die Marktzahlen aus Februar 2021 jedoch auf keine signifikante Steigerung der deutschen Exportaktivitäten hin: „Die Stärkung des Holzbaus in Deutschland ist seit jeher Ziel der Säge- und Holzindustrie und wird es auch in Zukunft bleiben. Weltpolitische Entwicklungen führen jedoch zu starken regionalen Verlagerungen innerhalb eines relativ konstanten Exportvolumens. In diesem Fall von China nach USA und Großbritannien", erklärt Kimmich. Die Nadelschnittholzausfuhr wuchs zwischen 2019 und 2020 von 9,3 auf 9,8 Mio. m3. Dieses Volumen liegt nun auf dem Niveau der Jahre 2006 bis 2008, als die Ausfuhren zwischen 8,5 Mio. und 9,3 Mio. m3 betrugen. In das Jahr 2021 ist die Sägeindustrie mit einem leichten Exportrückgang im Januar und einem marginalen Anstieg von 0,7 Prozent im Februar gestartet.

Produktion weiter deutlich ausgeweitet

Insgesamt erreichte die Nadelschnittholzproduktion in Deutschland im vergangenen Jahr einen neuen Rekord. Über 25 Millionen Kubikmeter (+8 Prozent) wurden in den Werken der Säge- und Holzindustrie gefertigt. Die Branche fährt ihre Produktionskapazitäten seit Jahren erheblich aus, um Schadholz schnellst- und bestmöglich zu verarbeiten. Allein von 2016 bis 2020 sind die Verarbeitungsmengen um 1/5 von 21 Mio. m3 auf mehr als 25 Mio. m3 gestiegen. Für die nächsten Jahre sind zusätzliche Ausweitungen vorgesehen. Unter anderem wegen unzureichender Möglichkeiten in Lagerung, Transport und Logistik sind den Betrieben aber Grenzen in der Schadholzaufarbeitung gesetzt, manche Produkte erfordern zudem in der Herstellung frisches Holz. Einige Unternehmen sind zudem wegen der Einschränkungen durch das Forstschädenausgleichsgesetz, das die Verfügbarkeit von Fichtenholz in diesem Jahr deutlich limitiert, bezüglich Investitionen verunsichert. Die Branche ist auf eine zuverlässige und dauerhafte Rundholzversorgung aus Deutschland angewiesen.

Markt im Wandel: Alle Marktpartner sind gefordert

„Nachfrage- und Preisschwankungen, wie wir sie aktuell erleben, wird es künftig vermutlich häufiger geben. Damit gesellt sich Holz zu den anderen Bauprodukten wie Stahl, Zement oder Kies, die schon länger volatil sind", sagt Kimmich. Da der Preis für Holz in den vergangenen 30 Jahren nahezu unverändert war, sei verständlicherweise extreme Unsicherheit bei Holzbauern und Handwerkern entstanden. Vorratskäufe, Lageraufbau und Mehrfach-Bestellungen könnten jedoch zu einer Verschärfung der Dynamik und damit zu noch längeren Lieferzeiten führen. Es sei daher wichtig, dass sich die ganze Branche auf diese neuen Entwicklungen einstelle: „Wir haben alle das gleiche Ziel. Holz möglichst komplett entlang der heimischen Wertschöpfungskette zu verarbeiten und den Anteil an Holzprodukte und -bauten weiter zu steigern", appelliert Kimmich abschließend.

Der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband hat als Ergänzung zu dieser Pressemitteilung ein Faktenblatt zur Marktentwicklung erarbeitet, was Ihnen hier zur Verfügung steht. 

Die Pressemitteilung können Sie als pdf-Dokument hier herunterladen und nachlesen.

Pressekontakt:

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Über die Deutsche Säge- und Holzindustrie

Der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband e.V. (DeSH) vertritt die Interessen der deutschen Säge- und Holzindustrie auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene. Dabei steht der Verband seinen Mitgliedern, darunter mehr als 400 Unternehmen aus ganz Deutschland, in wirtschafts- und branchenpolitischen Angelegenheiten zur Seite und unterstützt die kontinuierliche Verbesserung der wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für die Verwendung des Rohstoffes Holz. Der Verband tritt in Dialog mit Vertretern aus Medien, Wirtschaft, Politik und Forschung. Bei der Umsetzung ihrer Ziele steht Die Deutsche Säge- und Holzindustrie für eine umweltverträgliche und wertschöpfende Nutzung des Werkstoffs und Bioenergieträgers Holz.