Deutsche Säge- und Holzindustrie
Speedletter

31.03.2017

Grüße zum Jahreswechsel

Sehr geehrte Damen und Herren, 

kurz vor dem Jahreswechsel möchten wir Ihnen mit den besten Wünschen für die Feiertage und das neue Jahr noch etwas Lektüre auf den Weg geben. 

Wir freuen uns darauf, viele von Ihnen am 12. und 13. Januar beim Kongress in Berlin zu treffen und wünschen bis dahin eine besinnliche und friedliche Zeit. 

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Inhalt


Sägewerkskongress: Best Practice und Vorbild - Stadt München setzt finanzielle Anreize für Holzbau

Der Architekt Tom Kaden kam über seine Vorliebe für modulares Bauen zum Holzbau und sorgte mit spektakulären für Holzbauprojekten für internationales Aufsehen. Auf dem Sägewerkskongress 2017  stellt er sich im Experteninterview  dem Thema „Wohnraumbedarf und urbanisierte Gesellschaft: Holz für das Bauen und Leben in der Stadt“ und wird diese Debatte mit aktuellen, spannenden Aspekten aus Sicht von Architekten, Bauplanern und Bauträgern bereichern. 

Das Haus e13, das Sie 2008 fertig stellten und das als Exponat noch bis zum 15. Januar in der Ausstellung „Bauen mit Holz“ zu sehen ist, war damals das höchste Holzhaus Europas. Seitdem hat sich viel getan im Holzbau. Welche Entwicklungen waren in den letzten Jahren wesentlich?

Aus meiner Sicht sind hier vor allem die Weiterentwicklung und der vermehrte Einsatz von Brettsperrholz sowie von der Holzart Buche mit ihren höheren Festigkeitsklassen zu nennen.

Welche Trends werden den Holzbau in den nächsten Jahren prägen?

Von „prägen“ möchte ich noch nicht sprechen. Ich hoffe sehr, dass es uns zumindest endlich gelingt, in der urbanen Mehrgeschossigkeit die Gebäudeklassen 4 und 5 sprichwörtlich in die „Breite“ zu entwickeln. Wir müssen mit unserem Werkstoff auch die künftig neue städtebauliche Kategorie der „Urbane Zentren“ besetzen, um endlich aus dieser < 2%-Ecke heraus zu kommen.

Gerade wurde der Klimaschutzplan 2050 verabschiedet, der besonders auf den CO2-Speichereffekt der Holznutzung eingeht. Welche staatlichen Anreize könnten aus Ihrer Sicht das Bauen mit Holz weiter voranbringen und was können und müssen Holzwirtschaft und Holzbau tun?

Dazu sollte man sich das Anreizprogramm der Stadt München ansehen, das den ökologischen Faktor des nachwachsenden Rohstoffes Holz finanziell bewertet und sogar in Gutschriften für entsprechende Bauprojekte ummünzt. Dadurch wird der Holzbau direkt gefördert. Außerdem plädiere ich für eine verbesserte Lehre an Fachhochschulen, Hochschulen und Universitäten für angehende Architekten und Ingenieure. Die Holzwirtschaft muss umgehend fünf Holzbauprofessuren finanzieren. Es gibt keinen Nachwuchs! Diese eine wunderbare Ausbildungsstätte an der Technischen Universität München mit dieser Spezialisierungsmöglichkeit reicht nicht aus.

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12. Internationaler Kongress der Säge- und Holzindustrie & 4. AGR Rohstoffgipfel
12.-13. Januar 2017 in Berlin
www.saegewerkskongress.de


Einladung zum AGR Rohstoffgipfel und Kongress der Säge- und Holzindustrie

Das Ende der Steinzeit – Holz für die Märkte der Zukunft: Das gemeinsame Motto von Rohstoffgipfel und Sägewerkskongress am 12. und 13. Januar 2017 ist Programm: Diskutiert werden unter anderem Zukunftsthemen wie Holzbau, Verpackungsmarkt und Bioökonomie.

Beim letzten Kongress haben wir Besucher gefragt, was sie an der Veranstaltung spannend finden (Link zum Video):


Verpackungsmarkt - „Holz ist in Sachen Flexibilität unschlagbar. Das ist in diesem Segment ein wichtiges Kriterium.“

Jörg Keller ist geschäftsführender Gesellschafter des Sägewerks KELLERHOLZ in Lichtenau-Scherzheim (Baden-Württemberg). Das Unternehmen verarbeitet jährlich über 120.000 Festmeter Rundholz zu Verpackungshölzern und beliefert Kunden weltweit. Auf dem Sägewerkskongress 2017 spricht Keller als Experte zum Thema „Verpackungsmarkt, der heimliche Riese im Kundenspektrum der Sägeindustrie?“ Im Vorab-Interview erklärt er, wie sich das Segment in den vergangenen Jahren entwickelte und welche Herausforderungen daraus erwuchsen.

Herr Keller, Sie haben das Unternehmen KELLERHOLZ 2004 übernommen, modernisiert und sich konsequent auf die Produktion von Verpackungshölzern fokussiert. Welchen Stellenwert hatte der Markt damals und welchen hat er heute?

Der Verpackungsmarkt hat in dieser Zeitspanne sicherlich quantitativ als auch qualitativ überproportional zugenommen. Viele unsere Mitarbeiter, die aus anderen Werken gekommen sind, waren überrascht, welche Rolle Holzverpackungen beziehungsweise -paletten einnehmen können, wenn man es „richtig“ macht.

Der wachsende globale Handel in Kombination mit den vorteilhaften Eigenschaften von Holz spricht grundsätzlich für eine positive Entwicklung bei Holzpackmitteln. Teilen Sie diese Einschätzung oder sehen Sie die Decke bereits erreicht?

Nein, ich sehe noch einiges an Potenzial, da sich der Bereich auch sehr schnell weiterentwickelt. Holz ist in Sachen Flexibilität unschlagbar. Wir können schnell auf veränderte Anforderungen reagieren. Das ist in diesem Segment ein wichtiges Kriterium. Hinzu kommen die konstruktiven, ökologischen und hygienischen Argumente: Chemie und Holz passen auch im Verpackungsmarkt nicht zusammen. Insbesondere die Trocknung wird noch mehr an Bedeutung gewinnen.

Es wird viel von der „Commodity-Falle“ gesprochen, der Preisabwärtsspirale bei standardisierten Produkten. Gibt es im Bereich der Verpackungsmittel Nischen, um dies zu verhindern? Sagen wir so: Wer eine Nische sucht, wird sie finden. Auch der Service kann eine Nische sein! Es muss nicht immer nur das Produkt selbst sein.

Welchen Herausforderungen steht die Sägeindustrie im Verpackungssektor gegenüber? Was werden die zentralen Zukunftsthemen?

Wir müssen aktuell aufpassen, das richtige Maß zu finden zwischen Kundenanforderungen und verfügbaren Holzqualitäten. Viele Kunden, gerade aus dem Automotive-Bereich, hätten am liebsten zu 100 Prozent astreine Ware. Wir wissen alle, dass dies auf Dauer und in diesem Umfang nicht möglich ist. Schließlich erwächst hieraus eine Nutzungskonkurrenz zu anderen hochwertigen Bereichen wie dem Holzbau. Die Qualitätspyramide wird nach oben hin eben eng. Die Anforderungen des Verpackungsmarktes wirken da teilweise übertrieben. Wir müssen als Produzent mitunter viel Überzeugungsarbeit leisten. Ich würde mir von den Abnehmern etwas mehr Pragmatismus wünschen: Für jeden Verwendungszweck gibt es die richtige, weil adäquate Holzqualität.

Sehen Sie im Verpackungsbereich auch strukturelle Probleme? Wenn ja, welche Rahmenbedingungen müssten sich bessern?

Ich sehe bei größeren Werken teilweise die Gefahr, dass Seitenware und II. Wahl zu günstig angeboten werden. Erlöse werden dort über die Hauptware erzielt. Mögliche Preiserhöhungen für verpackungsrelevantes Holz werden von diesen Betrieben oftmals nicht mitgetragen, da die Sortimente schlicht nicht den Stellenwert genießen wie bei spezialisierten oder kleineren Betrieben. Beim Restholz lässt sich dies bisweilen auch feststellen. 


Petition: Keine weitere Einschränkung der nachhaltigen Forstwirtschaft in Thüringen

Viele haben bereits die Petition gegen weitere Einschränkungen der nachhaltigen Forstwirtschaft unterzeichnet (zur Petition). Dennoch ist die Zielmarke noch nicht erreicht, ab der sich der Thüringer Petitionsausschuss mit dem Anliegen beschäftigen wird, daher rufen wir weiter zur Unterzeichnung auf.

Hintergrund

Seit dem Regierungswechsel Ende 2014 treibt in Thüringen die Koalition aus Die Linke, SPD und Bündnis 90/Die Grünen Pläne voran, weitere Waldflächen aus der Nutzung zu nehmen. Ein Ansinnen, gegen das sich die ansässige Holzindustrie entschieden wehrt: Seit dem 29.11.2016 können Unterstützer die Online-Petition "Keine weitere Einschränkung der nachhaltigen Forstwirtschaft in Thüringen" mitzeichnen. 

Der aktuelle Antrag bezieht sich zwar auf Thüringen, aber Unterzeichner müssen nicht in diesem Bundesland wohnen und wir sind sicher, dass der Erfolg – ebenso wie ein Scheitern – der Petition Signalwirkung für ganz Deutschland haben wird.

Nachhaltig aus Tradition

Die Forst- und Holzwirtschaft in Deutschland kann mit Stolz auf eine über 300-jährige Tradition der Nachhaltigkeit blicken. Weltweit werden wir für unsere lebendigen und naturnahen Wälder bewundert. Diese sind Ergebnis einer bewährten multifunktionalen Waldwirtschaft, die Holznutzung mit Natur- und Artenschutz in Einklang bringt und darüber hinaus jedem Bürger Naherholung bietet.

Seit einigen Jahren droht das Gleichgewicht von Ökologie, Ökonomie und sozialen Aspekten jedoch durcheinanderzugeraten. Naturschutzverbände fordern, immer größere Waldflächen pauschal der Nutzung zu entziehen. Nicht selten nehmen Parteien diese undifferenzierte Position in ihren Wahlprogrammen und später in Koalitionsverträgen auf. Dabei sind Flächenstilllegungen wissenschaftlich nicht begründet. Im Gegenteil: Jüngere Studien zeigen, dass die Artenvielfalt in bewirtschafteten Wäldern sogar höher ist.

Verlust von Arbeitsplätzen

Wählerzuspruch erhalten die Parteien für ihre fragwürdige Position oftmals aus Regionen, die von der Nutzungseinschränkung gar nicht betroffen sind. Unter der verfehlten Interessenpolitik leiden letztlich aber jene, die von der Holzwirtschaft leben: die Bevölkerung vor Ort. Neben dem direkten Verlust von Arbeitsplätzen führt die Einschränkung der Waldbewirtschaftung für die Gemeinden zu Verlusten von Steuereinnahmen in Millionenhöhe.

Gemeinsames Signal der Holzwirtschaft in Deutschland

Der DeSH begrüßt das Engagement in Thüringen und sieht darin zugleich die Möglichkeit, deutschlandweit ein Signal an Landesregierungen sowie an die Bundesregierung zu senden. Unter dem Motto „Gemeinsam für nachhaltige Waldwirtschaft“ möchten wir daher alle Beschäftigten der Holzwirtschaft sowie deren Familien, Freunde und Bekannte zur Solidarität mit Thüringen aufrufen.

Jeder von Ihnen kann die Petition mitzeichnen und damit aktiv für die Belange der Holzwirtschaft votieren. Sie müssen hierfür nicht in Thüringen wohnen! Nehmen Sie sich also wenige Minuten Zeit und helfen Sie mit Ihrem Klick!


Novelle der TA-Luft bedroht Existenz der Säge- und Holzindustrie

Die Säge- und Holzindustrie an der Schnittstelle zwischen Wald- und Forstwirtschaft sowie Holz be- und verarbeitender Industrie zeichnet sich durch ihre besonders ressourceneffiziente Produktionsweise aus:

Die in der Produktion anfallenden Reststoffe und Sägenebenprodukte werden direkt vor Ort genutzt, um in den Feuerungsanlagen Strom und Wärme für die weiteren Produktionsschritte, wie die gesetzlich vorgeschriebene Holztrocknung, zu gewinnen.

"Durch diese besondere Ressourceneffizienz wird damit auch weiteren zentralen Prinzipien des Klimaschutzes Rechnung getragen: Die Nutzung von Reststoffen und Koppelprodukten im Sinne der Kaskade zur Erzeugung und Nutzung von Prozesswärme in der Produktion und der damit verbundenen Steigerung des effizienten Einsatzes von Energie und Wärme."

In nahezu jedem der deutschlandweit bestehenden 2 000 Sägewerke sind diese Feuerungsanlagen unverzichtbarer Bestandteil eines wirtschaftlichen und klimaschonenden Herstellungsprozesses – ihr weiterer Einsatz wäre durch die derzeitigen Pläne zur Novelle der TA-Luft jedoch erheblich bedroht. Eine Verschärfung der Emissionsgrenzwerte für Staub, Stickoxide (NOx) und Schwefeldioxid (SO2) um bis zu 60 % gegenüber den europäischen Vorgaben, wie aktuell geplant, wird zahlreichen Feuerungsanlagen im industriellen Bereich sowie in der kommunalen Wärmeversorgung ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage entziehen.

Denn in vielen Fällen ist eine Nachrüstung der bestehenden Anlagen technisch und räumlich nicht möglich bzw. für die Leistungsklassen nicht verfügbar. Die einzige Option wäre ein kompletter Neubau mit Investitionskosten weit über 10 Mio. Euro, der auf dem europäischen Markt einen extremen Wettbewerbsnachteil für die deutschen Betreiber und Hersteller bedeutet.

Durch diese extreme einseitige Belastung stünden damit genau die Anlagen vor dem Ende, die bereits heute hocheffizient Strom und Prozesswärme für die industrielle Produktion und dezentrale Strom- und Wärmeversorgung erzeugen. Der dadurch provozierte Rückfall auf fossile Energieträger zur Herstellung eines nachwachsenden Werkstoffes widerspricht jedoch den Zielen des Klimaschutzes  eklatant. Zudem wird die Existenz der gesamten Säge-und Holzindustrie und ihre wichtige strukturpolitische Rolle bedroht.

"Um jedoch den Beitrag der Holzenergie zur Erreichung der Ziele des Klimaschutzplanes 2050, der Ressourceneffizienz und der regionalen Wertschöpfung und Beschäftigung zu sichern, möchten wir uns im weiteren Prozess der Novelle der TA-Luft dringend für eine maßvolle Reduzierung der Grenzwerte, orientiert an den europäischen Vorgaben der MCP-Richtlinie, aussprechen."

Ähnliches gilt für das geplante Freilagerungsverbot für Holzhackschnitzeln bei den Anlagen zur Herstellung von Holzpellets.

Der derzeitige TA-Luft Entwurf verpflichtet die Unternehmen zu emissionsmindernden Maßnahmen bei der Entladung und Lagerung von Holzhackschnitzeln im Freien zu ergreifen – beispielsweise durch ein dreiseitig geschlossenes Staubschutzdach (Kragdach) oder eine ausreichende Befeuchtung der Haufwerksoberfläche.

Auf diese Weise soll eine Abwehung der Holzstäube und Störstoffe verhindert werden. Neben den enormen logistischen und finanziellen Belastungen verkennt die geplante Regelung jedoch auch die spezifischen Produkteigenschaften frischer Holzhackschnitzel. 

"Billigend wird in Kauf genommen, dass ein wichtiger Beitrag zur Wärmeversorgung aus erneuerbaren Energien entfällt."

Direkt aus dem Sägeprozess stammende sogenannte Sägeresthölzer (Hackschnitzel, Sägespäne) verfügen über einen Holzfeuchtigkeitsgehalt zwischen 35 - 60 % und demnach über ein entsprechendes Gewicht. Sie sind daher, im Gegensatz zu trockenen Hackschnitzeln und Spänen, nicht flugfähig und eine Abwehung damit ausgeschlossen.

Da der DeSH die Pflicht zur Lagerung trockener Holzhackschnitzel, Holzspäne und Holzstäube in geschlossenen Räumen und Silos zur wirksamen Emissionsvermeidung ausdrücklich unterstützt, erscheint eine Differenzierung zwischen frischen und trockenen Hackschnitzeln, analog zu der 7 BImschV., dringend geboten.

Denn durch den massiv erhöhten Investitionsdruck auf die Anlagenbetreiber wird der wirtschaftliche Betrieb bestehender sowie den Bau neuer Pelletwerke grundlegend infrage gestellt und damit bereits erreichte und künftige Ziele beim Klimaschutz und bei der Ressourceneffizienz über Bord geworfen. Die künftige Nachfrage müsste dann von importierten Pellets gedeckt werden, deren klimafreundliche Produktionsweise nicht sichergestellt werden kann.

"Mit einer Differenzierung zwischen frischen und trockenen Holzhackschnitzeln wird aus unserer Sicht sowohl ein wirksamer Emissionsschutz, als auch der wichtige Beitrag von Pellets aus Deutschland zur Wärmeerzeugung gewährleistet."

weiterlesen:


„Berlin zeigt, dass das Bauen mit Holz überall möglich ist“

Mit dem Tagungsort Berlin betritt der Sägewerkskongress 2017 Neuland. Noch nie gastierte der Branchentreff in der deutschen Hauptstadt. DeSH-Präsident Carsten Doehring erklärt vorab, warum er sich auf den Veranstaltungsort freut und was diesen für die diesjährigen Schwerpunktthemen prädestiniert.

Herr Doehring, der kommende Kongress der Säge- und Holzindustrie hat zum Motto „Ende der Steinzeit – Holz für die Märkte der Zukunft“. Was steckt dahinter?

Allgemein gesprochen bringt das Motto zum Ausdruck, dass Holz der Rohstoff der Zukunft ist. Das können wir als Branche ruhig mal so selbstbewusst formulieren: Es ist nachhaltig, bietet großes Klimaschutzpotenzial und entspricht wie kein anderer Rohstoff den Prämissen der Bioökonomie. Ich beobachte, dass Holz zunehmend auch die Anerkennung erhält, die ihm gebührt. Was die Märkte anbelangt, richtet sich das Augenmerk zum einen auf den modernen Holzbau, der insbesondere im urbanen Raum an Bedeutung gewinnt. Genauso möchte ich aber den Verpackungsmarkt hervorheben. Auch da sehe ich, dass Zukunftspotenziale genutzt werden.

Welche konkreten Marktimpulse und -entwicklungen erwarten Sie?

Bedarfsseitig sicher der Wohnungsmangel. Vor allem in den Städten, die immer mehr Menschen anziehen, sind Wohnraum und auch Fläche knapp. Der Holzbau bietet hier hervorragende Lösungen, beispielsweise bei Lückenschluss oder Nachverdichtung durch Aufstockung. Modularisierung und der hohe Vorfertigungsgrad sind entscheidende Vorteile von Holz. Der Trend zur Standardisierung – und das ist vielleicht neu – ist derzeit aber nicht nur im Holzbau, sondern ebenfalls im Verpackungsmarkt abzulesen. Auch hier gibt es zunehmend Bestrebungen, die Materialeigenschaften einheitlich zu definierten.

Welche Rolle spielten die Schwerpunktthemen bei der Wahl des Tagungsortes?

Auf den ersten Blick ist Berlin ein ungewöhnlicher Tagungsort, weil man ihn spontan nicht mit dem Thema Holz in Verbindung bringt. Das ist aber auch das Schöne daran. Wenn man sich nämlich in der Stadt umsieht, entdeckt man spannende Holzbauprojekte, die das Potenzial unseres Werkstoffs in urbaner Umgebung aufzeigen. Insofern spielte das Thema durchaus eine Rolle bei der Ortswahl. Berlin zeigt, dass das Bauen mit Holz überall möglich ist und neue, kreative Lösungen bietet.

Die Argumente für das Bauen mit Holz sind kaum zu bestreiten. Die Holzbauquote hierzulande liegt mit 16 Prozent aber noch deutlich hinter anderen europäischen Ländern zurück. An welchen Stellschrauben gilt es zu drehen?

Wenn man Menschen fragt, ob sie sich vorstellen können, in einem Holzhaus zu wohnen, wird kaum jemand sagen „möchte ich nicht“. Holz ist in der Öffentlichkeit absolut positiv besetzt. Bei den potenziellen oder schlussendlichen Bewohnern eines Mehrfamilienhauses ist insofern nicht so viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Vielmehr gilt es, Entscheider wie Architekten, Planer, Projektentwickler und Finanzierer abzuholen. Die Ausstellung „Bauen mit Holz“, die derzeit im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen ist und auch im Rahmen des Kongresses besucht werden kann, ist ein gutes Beispiel, auf welchem Wege dies gelingen kann und soll einen wichtigen Beitrag hierzu leisten.

Hat sich die Einstellung gegenüber Holzbauten schon verändert?

Durchaus. Vor wenigen Jahren waren wir mit der Idee des urbanen Holzbaus noch die „Sonderlinge“. Angesichts der dringend notwendigen Nachverdichtung in den Großstädten rennen wir mit dem Thema nun offene Türen ein. Der hohe Vorfertigungsgrad ermöglicht kurze Bauzeiten und eine geringe Beeinträchtigung der Anwohner. Aufstockungen lassen sich aus statischen Gründen meist nur in Leichtbauweise realisieren. Vor diesem Hintergrund und angesichts toller Leuchtturmprojekte denken heute sicherlich mehr Entscheider über eine „Holzlösung“ nach. Zumal es ja auch im Sozialen Wohnungsbau solche Leuchtturmprojekte gibt, wie die Ausstellung zeigt.

Was oder wer hemmt den Holzbau noch?

Zum Teil veraltete Landesbauordnungen, die Holz gegenüber anderen Baustoffen benachteiligen. Was mit Holz im mehrgeschossigen Wohnungsbau möglich ist, zeigt der Blick in die Schweiz oder nach Österreich. Auf der anderen Seite stellt sich für die Holzwirtschaft immer auch die grundsätzliche und perspektivische Frage nach der Verfügbarkeit des Rohstoffs. Geht die Entwicklung hin zu mehr Flächenstilllegungen und einseitigem Waldumbau weiter, setzt dies leider auch ein Fragezeichen hinter den umweltpolitisch erfreulichen und gewollten Trend zum Holzbau.

Das Jahr 2016 war international ein politisch turbulentes mit noch nicht absehbarer wirtschaftlicher Tragweite. Muss sich die Branche auf Probleme einstellen?

Ich bin grundsätzlich optimistisch und hoffe, dass gewisse poltische Entscheidungen und Wendungen keine langfristigen Auswirkungen auf unsere Branche haben werden. Nehmen wir den Bausektor: Wohnen wird weltweit immer ein elementares Bedürfnis der Menschen bleiben. Insofern sind wir – unabhängig von politischen Entwicklungen – in einem zukunftsträchtigen Segment tätig. Der Brexit als Beispiel wird sicher für ein paar Verwerfungen sorgen, letztendlich werden aber die Briten ihrer wachsenden Bevölkerung Wohnraum bieten müssen. Es wird also weiterhin in irgendeiner Form einen Holzexport dorthin geben – denn auf der Insel gibt es schlicht nicht genügend Wälder und Sägewerke. Bei allen Turbulenzen bleibe ich somit vorsichtig positiv gestimmt.

Auf was freuen Sie sich beim Sägewerkskongress besonders? Wird es Neuerungen geben?

Wie jedes Jahr werden wir bewährte Formate weiterentwickeln, aber natürlich auch ein paar neue Sachen ausprobieren. Da möchte ich noch gar nicht so viel verraten, die Teilnehmer sollen ja weiter gespannt bleiben. Persönlich freue ich mich auf die Location. Sowohl Berlin als Stadt wie auch das Café Moskau sind beide spannend, ungewöhnlich und neu für unser Branchentreffen. Das passt hervorragend zum Thema.

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12. Internationaler Kongress der Säge- und Holzindustrie & 4. AGR Rohstoffgipfel
12.-13. Januar 2017 in Berlin
www.saegewerkskongress.de


Xing-Event - Rohstoffgipfel und Sägewerkskongress

Sind Sie bereits angemeldet zum Rohstoffgipfel bzw. Sägewerkskongress? Lassen Sie Ihre Kontakte wissen, dass sie Sie in Berlin treffen können.

Zusage zum Xing-Event hier.


Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr!

Der DeSH dankt den Mitgliedern, Partnern, den Vertretern von Politik, Behörden, Verbänden und Medien sowie allen Interessierten für die inhaltliche Begleitung und Unterstützung im vergangenen Jahr.

Wir freuen uns auf die Fortsetzung des Dialogs sowie die anstehenden Themen und wünschen Ihnen sowie Ihren Familien ein frohes Weihnachtsfest, besinnliche Stunden und für das Jahr 2017 viel Glück, Gesundheit und Freude.

Ein organisatorischer Hinweis noch: Unsere Geschäftsstelle bleibt vom 27. bis 30. Dezember 2016 geschlossen, im neuen Jahr sind wir wieder wie gewohnt für Sie da. 

Wenn Sie den Speedletter nicht mehr erhalten möchten, senden Sie bitte eine Email an: klaus.kottwitz@saegeindustrie.de

Mit besten Grüßen

Lars Schmitdt

Lars Schmidt
Generalsekretär des Vorstands und Hauptgeschäftsführer

Weitere Informationen zu unserer Arbeit finden Sie auf unserer Homepage www.saegeindustrie.de
sowie bei den Sozialen Netzwerken Facebook und Twitter.