Deutsche Säge- und Holzindustrie
Speedletter

Ausgabe April 2016

26.07.2017

News aus Berlin und Wiesbaden für Freunde und Interessenten

Sehr geehrte Damen und Herren, 

lesen Sie untenstehend die aktuellen Nachrichten des DeSH.

Inhalt


Nordrhein-Westfalen schafft nachhaltiges Wirtschaften ab

Naturschutzgesetz weitgehend unverändert

Das geplante Landesnaturschutzgesetz in Nordrhein-Westfalen stößt auch nach seiner Überarbeitung auf heftige Kritik bei der Holzindustrie. Der Gesetzesentwurf klammere die regionale Wirtschaft weiterhin komplett aus, kritisieren neben Hans-Georg Pieper von der Initiative „Holz und Arbeit in NRW“ auch die betroffenen Verbände: die Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher e. V. (AGR) und der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband e. V. (DeSH).

„Für Pieper-Holz gehe ich von langfristig weitreichenden Folgen aus, wenn der Entwurf so in Kraft tritt. Nutzungseinschränkungen auf breiter Fläche stellen nicht nur uns, sondern die gesamte Holzbranche vor große Probleme bei der Rohstoffversorgung“, so Hans-Georg Pieper, Geschäftsführer Pieper-Holz GmbH. „Wir beschäftigen 120 Mitarbeiter und beziehen seit über 65 Jahren unser Holz aus den hervorragend und nachhaltig bewirtschafteten Wäldern im Umkreis. Ich fürchte, wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, müssen wir zu erhöhten Preisen Holz importieren und dann gehen nicht nur bei uns Arbeitsplätze verloren.“ Pieper leitet nicht nur das Unternehmen in Olsberg, sondern ist zudem Sprecher der Initiative „Holz und Arbeit in NRW“. Die Holzindustrie ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor im Bundesland: Die Unternehmen, deren Existenz von der Be- und Verarbeitung von Holz direkt oder indirekt abhängt, erwirtschaften jährlich einen Umsatz von ca. 38 Milliarden Euro.

Integrativer Naturschutz findet keine Berücksichtigung

„Die Bedenken der Unternehmen des ländlichen Raums sind bei der Regierung offenbar auf taube Ohren gestoßen“, erklärt DeSH-Generalsekretär Lars Schmidt. Die im Rahmen der Verbändeanhörung vorgetragenen Einwände der Holzindustrie hätte kaum Berücksichtigung in der Novelle erfahren: „In zentralen Punkten bleibt der Entwurf ein Schlag ins Gesicht der nachhaltigen, umwelt- und klimafreundlichen Wirtschaftszweige.“ Waldbesitzer sowie die Akteure von Forst- und Holz würden mit massiven staatlichen Eingriffen wie Stilllegungen, Bewirtschaftungsreglementierungen, Informationspflicht und Enteignungsszenarien konfrontiert. Der jahrzehntelangen guten fachlichen Praxis eines integrativen Naturschutzes werde kaum Anerkennung und Vertrauen entgegengebracht. Das einseitige Mitspracherecht und die Privilegien von Naturschutzorganisationen würden von einer offensichtlichen Ungleichbehandlung zeugen.

Die Politik folge mit dem Landesnaturschutzgesetz den unfundierten Forderungen der Naturschutzverbände, meint auch Dr. Denny Ohnesorge von der AGR. Der studierte Forstwirt bemängelt vor allem die weiterhin verankerte Ausweitung der Biotopfläche von zehn auf 15 Prozent der Landesfläche: „Zum Schutz der Biodiversität ist diese Maßnahme fachlich nicht nachvollziehbar.“ Weiträumige Stilllegungen würden nicht automatisch zu einer größeren Artenvielfalt führen. Aktuelle Untersuchungen zeigen gar das Gegenteil. „Die Politik misst Biodiversität aber leider nach wie vor in Quadratmetern“, so Ohnesorge. Für die Volkswirtschaft hätte dies weitreichende Folgen. Nutzungseinschränkungen auf breiter Fläche stellen die Holzbranche vor existenzielle Probleme bei der Rohstoffversorgung. Mit Blick auf die Energiewende und die wachsende stoffliche und energetische Nutzung von Holz werde sich die Situation in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Die Idee einer 'Grünen Industrie' bliebe unter diesen politischen Vorzeichen ein Wunsch, so Ohnesorge.

Hintergrund

Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat am 17. Februar 2016 den Entwurf des neuen Landes-Naturschutzgesetzes (LNatSchG) zur weiteren parlamentarischen Beratung und Verabschiedung an den Landtag übersandt. In einer vorangegangenen Verbändeanhörung hatten DeSH und AGR eine gemeinsame Stellungnahme zu den Plänen verfasst. Link: http://goo.gl/CHaFXr


Kooperationen auf allen Ebenen intensivieren

Leonard Nossol, Carsten Doehring

Am Mittwoch, den 10. Februar 2016, startete mit dem Rohstoffgipfel der Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher e. V. (AGR) der zweitätige Fachaustausch der Holzindustrie in Würzburg. Nach dem 3. AGR-Rohstoffgipfel veranstaltete der Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverband e. V. (DeSH) seinen traditionellen Sägewerkskongress. Die Branche diskutierte neben aktuellen Fragen wie Feuerversicherung, Holzvermessung und Kartellrecht besonders die Entwicklung der Holzindustrie 4.0.

Die Referenten und Teilnehmer gingen an zwei Veranstaltungstagen unter anderem der Frage nach, ob Forst- und Holzwirtschaft bereit sind für die vierte industrielle Revolution. Der 3. AGR-Rohstoffgipfel nahm besonders den Teil der Wertschöpfungskette vom Wald bis ins Werk in den Blick. Die Referenten beleuchteten zum Beispiel die Entwicklung des Rohstoffaufkommens und widmen sich der Holzbereitstellungskette. Ein besonderes Augenmerk des Rohstoffgipfels richtete sich auf die Holzvermessung. Mit Blick auf eine Vernetzung von Daten im Sinne einer Wirtschaft 4.0 kritisierten einige Redner technologische Insellösungen im Cluster Forst und Holz: Uneinheitliche, veraltete oder individuell modifizierte Datenstandards erschweren den Datenaustausch und stehen so einem unterbrechungsfreien Datenfluss im Sinne von Industrie 4.0 entgegen. Die mangelnde Ausstattung mit Informationstechnologie zeugt zudem von Infrastrukturproblemen. „Es gibt noch viel zu tun, bis die Wertschöpfungskette Forst und Holz datentechnisch im 21. Jahrhundert angekommen ist. Aber wir sind auf einem guten Weg und die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Forstseite lässt uns optimistisch in die Zukunft schauen“, so Leonhard Nossol, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher e. V.

Effizienzsteigerung durch Industrie 4.0

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind im letzten Jahrzehnt die Investitionen bei Betrieben der Säge- und Holzindustrie mit mehr als 20 Mitarbeitern deutlich eingebrochen. Zwischen 2006 und 2014 sank das Investitionsvolumen um rund 40 %. Dieser Investitionsstau, so ist zu befürchten, führt inzwischen zum Innovationsstau. Die angespannte wirtschaftliche Lage vieler Betriebe verringert die F&E-Etats – und in letzter Konsequenz droht die Branche, international den Anschluss zu verlieren. Doch Carsten Doehring, der in seiner neuen Funktion als Präsident des Deutschen Säge- und Holzindustrie Bundesverbandes erstmals den Kongress eröffnet, ist sicher: „Gerade die Holzindustrie 4.0 kann einen Beitrag leisten, um die anhaltende Krise zu überwinden.“

AGR und DeSH bringen die Branche in Würzburg zusammen

Das Veranstalten eines gemeinsamen Branchentreffs von AGR und DeSH stößt in der Holzindustrie auf große Zustimmung. Mit über 350 Besuchern knüpfen die zwei Verbände an die erfolgreichen Veranstaltungen der vergangenen Jahre an. Beide Verbände signalisieren Offenheit, die Zusammenarbeit mit anderen Branchen zu erweitern und diese intensiver einzubinden.

Bei Vorträgen, Speed-Datings sowie dem Branchenabend hatten die Teilnehmer wieder die Möglichkeit, sich jenseits des Tagesgeschäfts fachlich fortzubilden, zu den aktuellen Diskussionen in der Branche Stellung zu nehmen und natürlich zu netzwerken. Insgesamt 47 Fachaussteller und Partner informierten zudem über ihre neuesten Produkte und Dienstleistungen.

Weitere Informationen sowie eine Bildergalerie finden Sie unter www.saegewerkskongress.de und www.rohholzverbraucher.de.

Termin 2017

Im kommenden Jahr werden die beiden Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung „Bauen mit Holz – Wege in die Zukunft“ in Berlin stattfinden: 12.–13. Januar 2017.


Wildnis in Deutschland: Wirksamkeit pauschaler Ansätze hinterfragen

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Beim jüngsten parlamentarischen Frühstück diskutierten die Vertreter der Plattform Forst & Holz mit Abgeordneten und Mitarbeitern des Deutschen Bundestages das Thema Wildnis. Das Impulsreferat am 17. Februar 2016 hielt Prof. Hermann Spellmann, Leiter der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt.

Prof. Spellmann erläuterte neben der Definition von Wildnisgebieten auch die Ziele der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt (NBS). Im Fokus standen die beabsichtigten Flächenstilllegungen im Wald. Diese sehen vor, fünf Prozent der Waldfläche Deutschlands bzw. zehn Prozent des öffentlichen Waldes aus der Nutzung zu nehmen. Auf diesen Flächen sollen Wildnisgebiete bzw. Wildnisentwicklungsgebiete entstehen. Die in Deutschland vorherrschende romantische Verklärung von Wildnis führt – besonders bei der heute urban geprägten Bevölkerung – zu einem verzerrten Blick auf die Thematik, erläuterte Spellmann. Um gemeinsam im Interesse der NBS-Ziele zu wirken, empfahl er eine verbesserte Kommunikation und Zusammenarbeit von Forstwirtschaft und Naturschutz.

Hotspots der Biodiversität

Ein besonderes Augenmerk legte er auf den Erhalt der biologischen Vielfalt, zu der neben Gebieten mit natürlicher Entwicklung auch Flächen mit kulturell gewachsenen Landbewirtschaftungsformen erforderlich seien. Spellmann hinterfragte die Effektivität von großflächigen Stilllegungen zur Erreichung der gesteckten Artenschutz- und Biodiversitätsziele. Er plädierte statt großflächigen Stilllegungen von Waldgebieten für einen integrativen Ansatz, bei dem nachhaltig und multifunktional bewirtschaftete Waldflächen von sogenannten Hotspots der Biodiversität durchsetzt sind. Als positives Beispiel nannte er die Waldlandschaft Solling in Südniedersachsen.

Den immer wieder aufkommenden Forderungen nach weiteren Flächenstilllegungen entgegnete er, dass die pauschalen Ziele der NBS bereits nahezu erreicht seien. Denn gemäß NBS zählen zu den Wildnisflächen auch jene, die keinen dauerhaften rechtlichen Schutzstatus aufweisen. Dies sind zum Beispiel nicht begehbare Flächen wie Steilhänge, aber auch Moore, Aue- oder Bergbaufolgelandschaften.

Diskussion mit Abgeordneten

Cajus Caesar MdB (CDU) forderte in der anschließenden Diskussion mit Blick auf die Artenvielfalt: „Wir sollten nicht nur die starren Ziele der Biodiversitätsstrategie berücksichtigen, sondern auch die Waldstrategie des BMEL mit Leben füllen. Eine nachhaltige Waldbewirtschaftung integriert Artenvielfalt und Naturschutz in die Wertschöpfungskette Wald und Holz.“

„Eine der wichtigsten Aufgaben wird es sein, die sich in der Vergangenheit wieder vermehrt aufgetanen Gräben zwischen den Interessengruppen zu verkleinern“, ergänzte Petra Crone MdB (SPD). „Der Vortrag hat zudem gezeigt, dass es bei der Umsetzung des 5 %-Ziels nutzungsfreier Wälder und des 2 -Prozent-Wildnisziels der NBS neben dem Aspekt Fläche gilt, auch die naturschutzfachliche Qualität derselben stärker einzubeziehen.“

Über die Plattform Forst & Holz

Die Plattform Forst & Holz wurde im Mai 2007 vom Deutschen Forstwirtschaftsrat (DFWR) und dem Deutschen Holzwirtschaftsrat (DHWR) ins Leben gerufen und vertritt die gesamte Holzwirtschaftskette vom Wald bis zum Endprodukt. Mit einem jährlichen Gesamtumsatz von 181 Mrd. Euro, rund 128.000 Unternehmen und 1,1 Mio. Beschäftigten hat die holzbasierte Wertschöpfung einen hohen Stellenwert für die Wirtschaftskraft und die Beschäftigung in Deutschland und gilt als eine der Schlüsselbranchen insbesondere im ländlichen Raum.


Deutsche Wissenschaftler kritisieren fehlerhaften Fachartikel zu Wald und Klimaschutz

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Für Aufsehen hatte ein am 5.2.2016 im rennommierten naturwissenschaftlichern Fachmagazin "Science" veröffentlichter Artikel gesorgt. Die Botschaft: Die Forstwirtschaft habe durch die Umwandlung von Natur- in Kulturwälder und von Laub- in Nadelwälder sowie durch die Nutzung der Wälder seit dem Referenzjahr 1750 nicht zur Abmilderung der Erwärmung der Erdatmosphäre beigetragen, sondern diese sogar noch beschleunigt. Grund sei die geringere Abstrahlung von Sonnenlicht durch Nadelwälder und die stärkere Waldbewirtschaftung und Nadelholznutzung.

Fehlende Einberechnung der Kohlenstoffsubstitution

Medien und Naturschutzverbände griffen diese Nachricht sofort auf und verbreiteten sie als Beweis für die schädliche Wirkung der Waldbewirtschaftung. Dabei werden die Schwächen des Fachartikels auf den ersten Blick deutlich. Verschiedene Wissenschaftler des Instituts für Forstwissenschaften der Universität Freiburg, der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt und des Thünen Instituts (anbei) weisen darauf hin, dass vor allem die fehlende Einberechnung der Kohlenstoffsubstitution, also der Ersatz von anderen Baustoffen durch Holz, besonders durch langlebige Nadelholzprodukte die Kohlenstoffbilanz völlig anders darstellt. 

Ihr Gesamturteil lautet entsprechend: "Aus den oben aufgeführten Gründen ist die vorliegende Studie von Naudts et al. (2016) in wesentlichen Punkten unvollständig und unzutreffend. Sie sollte daher nicht dazu herangezogen werden, die Klimaschutzleistung der Europäischen Forstwirtschaft zu diskutieren." 


Wechsel in der Politischen Kommunikation bei dem DeSH

Julia Möbus

Seit dem 1. März ist Julia Möbus für die politische Kommunikation der Deutschen Säge- und Holzindustrie zuständig. Sie folgt auf Katrin Büscher, die sich neuen beruflichen Herausforderungen widmet. In der Geschäftsstelle in Berlin wird sie künftig die bundespolitischen Themen des Verbands verantworten sowie den Kontakt nach Brüssel intensivieren.

Frau Möbus hat umfangreiche Erfahrungen in der politischen Kommunikation. Als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem Abgeordnetenbüro im Deutschen Bundestag sowie als Referentin des Senior Vice President Government Affairs in der Hauptstadtrepräsentanz der Knauf Gips KG betreute sie vorwiegend umwelt- und energiepolitische Themen und arbeitete dabei mit zahlreichen Politikern, Verbänden und Unternehmen zusammen.

Zuletzt hat Frau Möbus als zertifizierte Projektmanagerin die Kommunikation zwischen der Volkswagen AG und ihren Lieferanten betreut und verbessert.

Frau Möbus stammt aus der Nähe von Helmstedt und hat in Göttingen und Helsinki Politikwissenschaft und Völkerrecht studiert. Ihr Studienschwerpunkt war internationale Politik.

Für Fragen und Themenvorschläge wenden Sie sich gern an: julia.moebus@saegeindustrie.de

Mit besten Grüßen

Lars Schmitdt

Lars Schmidt
Generalsekretär des Vorstands und Hauptgeschäftsführer

Weitere Informationen zu unserer Arbeit finden Sie auf unserer Homepage www.saegeindustrie.de
sowie bei den Sozialen Netzwerken Facebook und Twitter.