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Ausblick Sägewerkskongress: "In der Fabrik 4.0 kann man das Licht ausmachen und die Produktion läuft trotzdem weiter" 25.01.2016

Friedhelm Rücker

Unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ rufen Wirtschaftsexperten und Politiker seit einigen Jahren die vierte industrielle Revolution aus. Nach Dampfmaschine, Fließband und Computertechnik soll nun die digitale Vernetzung ein neues Produktionszeitalter einläuten: hochflexibel, kostengünstig und von großer Fertigungsqualität. Aber lassen sich diese Prinzipien auch auf die Holzindustrie übertragen? Dieser Frage gehen Experten beim diesjährigen Sägewerkskongress am 10./11. Februar in Würzburg nach. Vorab stellen wir einige Referenten und Diskutanten im Kurzinterview vor.

Friedhelm Rücker,

IT-Leiter bei der Friedhelm Loh Group mit Sitz in Haiger, Hessen.

Die Gesellschaften der Unternehmensgruppe gehören zu den weltweit führenden Systemanbietern für Schaltschränke, Stromverteilung, Klimatisierung, IT-Infrastruktur und Software sowie Entwicklern und Dienstleistern im Bereich Engineering. Die Dienstleistungsgesellschaft Loh Services bündelt die zentralen Unternehmensleistungen der Gruppe. Mit 18 Produktionsstätten und 78 internationalen Tochtergesellschaften ist die Friedhelm Loh Group weltweit präsent. Die Unternehmensgruppe beschäftigt über 11.500 Mitarbeiter und wurde 2015 zum siebten Mal in Folge als Top-Arbeitgeber Deutschland ausgezeichnet.

Rücker spricht im Rahmen eines Experteninterviews am 10. Februar 2016 ab 16:15 Uhr auf dem Sägewerkskongress in Würzburg.

DeSH: Herr Rücker, Datenfluss und Vernetzung sind die Prämissen der sogenannten „Industrie 4.0“. Halten Sie diese für eine Modewelle oder tatsächlich für eine Revolution?

Rücker: Der Hype um Industrie 4.0 ist derzeit sicher groß und alle wollen mitreden. Konkrete Ergebnisse gibt es bislang aber wenige. Klar ist in jedem Fall, es wird ein Umstellungsprozess in der Produktion stattfinden.

DeSH: Was erwartet die Betriebe konkret?

Rücker: Jahrelang wurden Fabriken unter dem Credo „So wenig IT wie möglich!“ gesteuert, um einfache und für Mitarbeiter leicht durchschaubare Prozesse wie zum Beispiel „Kanban“ zu etablieren. Von dieser Denkweise werden wir uns aber verabschieden müssen. Denn eine weitere Produktivitätssteigerung ist ohne bessere IT nicht mehr vorstellbar.

DeSH: Wo sehen Sie künftig die Stellschrauben für mehr Effizienz?

Rücker: Die Standard-Organisationsverfahren sind mittlerweile ausgereizt und zum Teil bereits kontraproduktiv. Die Aufgabe besteht darin, Produktionsaufträge verlässlich in der richtigen Menge und der richtigen Reihenfolge an die Fertigungsstraße zu bringen ‒ und zwar ohne dass ein Mitarbeiter eingreift.

DeSH: Ist eine solche Automatisierung alternativlos?

Rücker: Unter Aspekten der Prozessoptimierung, ja. Der einzelne Mitarbeiter kann die Komplexität und Abhängigkeiten einer IT-gestützten Planung und Steuerung nicht mehr überblicken. Nur IT-gesteuerte Algorithmen sind hier noch effizient.

DeSH: Welche Rolle kommt dann den Mitarbeitern in der Industrie 4.0 zu?

Rücker: In der „Smart Factory“ wird es weniger Personal im Fertigungsprozess geben. Aber nur wenn die Steuerungsregeln korrekt im System abgebildet sind, können Prozesse störungsfrei automatisch laufen. Dafür werden hochqualifizierte Mitarbeiter benötigt, die aus ihrem Prozess-Know-how die entsprechenden Regeln im System aufbauen und pflegen. Läuft alles, kann man in der „Fabrik 4.0“ während der Produktion dann aber das Licht ausmachen. Die steuernden Mitarbeiter können ganz woanders sitzen. Das gibt es in Praxis übrigens heute schon: z .B. in meinem Rechenzentrum und in unseren Automatik-Hochregallagern.

DeSH: Wo steht die deutsche Holzwirtschaft in Sachen digitaler Vernetzung heute schon?

Rücker: Generell sind wir beim Thema „Automatisierung in der Industrie“ in Deutschland ganz vorne. Wir haben die Systeme für Industrie 4.0, verfügen sogar bereits über die nötige Vernetzung und ausreichend Leistung der IT-Systeme. Gerade in der deutschen Holzwirtschaft gibt es schon extrem leistungsfähige moderne Maschinen. Jetzt ist es Zeit, den nächsten Schritt zu tun. Sowohl in der Produktion wie in der Logistik, also in der ganzen Wertschöpfungskette, gilt es die vorhandenen Systeme zu integrieren und ohne Medienbrüche Informationen vom Kunden bis in die Fertigung durchzuschleusen.

DeSH: Der Informationsaustausch mittels Computern und Internet hat bereits enorm zur Beschleunigung der Prozesse beigetragen. Welche Potenziale sind hier noch nicht erschlossen?

Rücker: Zur Veranschaulichung: Eine E-Mail ist zwar schon digital, aber noch lange kein automatisierter Prozess. Hier geht in der manuellen Bearbeitung Zeit, Qualität und Arbeitskapazität unnötig verloren. Informationen müssen in Zukunft direkt zwischen Systemen und auch zwischen vielen Beteiligten durchgeschleust werden. Dazu benötigen wir Standards. Diese Standards zu etablieren ist übergreifend die wichtigste und anspruchsvollste Aufgabe.

DeSH: Was müssen die Betriebe beachten, um die Chancen der Industrie 4.0 zu nutzen?

Rücker: Im Prinzip vier Eckpfeiler: Mitarbeiter für die Bereiche IT und Prozesssteuerung ausbilden, ein zentrales und integriertes Software Planungs- und Steuerungssystem aufbauen, alle Maschinen und Geräte an das IT-Netz anschließen sowie Material und Produkte digital kennzeichnen.

DeSH: In Zeiten einer anhaltenden Ertragskrise klingt das nach großen Herausforderungen für die Branche.

Rücker: Ja, aber eine signifikante Steigerung der Produktivität in Fertigung und Logistik ist in Zukunft eben nur noch mit IT möglich. Das erfordert dauerhafte Investitionen in Software, Hardware und vor allem in die Menschen und ihre Ausbildung. Das wichtigste für den Augenblick ist jedoch, Erfahrungen zu sammeln. Industrie 4.0 ist primär kein technisches Problem, sondern muss zuallererst in den Köpfen stattfinden. Am besten beginnt man da, wo es am nächsten liegt: Bei der neuen Maschine, dem neuen Lager, der Produktkennzeichnung... Letztlich egal wo, Hauptsache man beginnt. Wir müssen erkennen, dass wir an vielen Stellen ohne IT-Programme schlicht nicht mehr besser werden. Sollte es anders sein, dann Finger weg von diesem Prozess! Wollen Sie ihre Abläufe aber optimieren, dann sollten Sie konsequent analysieren wie eine vollständig automatische Logistik und Fertigung aussehen könnte und was dafür zu tun ist.

DeSH: Wie kann Ihr Unternehmen Betriebe bei der Umsetzung der „Smart Factory“ unterstützen?

Rücker: Wir in der Friedhelm Loh Group, und bei Rittal im Speziellen, haben dafür eine System-Zielarchitektur erstellt und arbeiten an Punkten wie Variantenkonfiguration, automatische Steuerung, Manufacturing Execution Systeme. Wir haben als Schaltschrankhersteller inzwischen mehr als 1000 Mitarbeiter in der Softwareentwicklung, weil wir unseren Kunden die Integration ihrer Produkte in unsere Produkte möglichst einfach und ohne Reibungsverluste anbieten wollen. Jedes Unternehmen sollte sich fragen: „Wie können wir durch Lieferung von besser vorbereiteten Produkten, von Daten, von Zubehör unserem Kunden einen höheren Mehrwert liefern?“

www.saegewerkskongress.de