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Aktuelle Nachrichten

Ausblick Sägewerkskongress: "Die Sägeindustrie hat aktuell viel zu viele Insellösungen" 20.01.2016

Interview "Smart Factory"

Mit dem Schlagwort Industrie 4.0 wird vielfach die Vision der "Smart Factory", der intelligenten Fabrik, transportiert, in der sich Fertigungsanlagen und Logistiksysteme künftig weitgehend selbst organisieren. Die Produktion soll hierdurch flexibler und effizienter werden. Auch auf dem Weg des Holzes im Werk und bis zum Kunden bieten Digitalisierung und vernetzte Produktionsketten zahlreiche Optimierungsmöglichkeiten. Doch wo steht die Branche aktuell? Und welche Chancen bieten sich? Dieser Frage gehen Experten beim diesjährigen Sägewerkskongress am 10./11. Februar in Würzburg nach. Vorab stellen wir einige Referenten und Diskutanten mit ihren Positionen vor.

Alexander Neubert spricht auf dem Sägewerkskongress zum Thema "Das Sägewerk als ,Smart-Factory, – Fiktion oder realistische Perspektive?" 

Neubert ist Geschäftsführer der novere gmbh. Das Unternehmen mit Standorten in München und Hof berät Unternehmen aus den Bereichen Produktion, Dienstleistung und Handel und bietet integrierte Software- und kreative neue Medienlösungen für alle Phasen des Geschäftsprozesses.

DeSH: Herr Neubert, passen Sägewerk und Smart Factory zusammen?

Neubert: Aus meinem Gesichtspunkt ist es definitiv eine realistische Perspektive, da die Sägewerksindustrie durch ihren sehr hohen Automatisierungsgrad schon den größten Teil des Weges gegangen ist und somit, auch im Hinblick auf anstehende Investitionen, gar nicht mehr vor so einer großen Herausforderung steht, den Kreis zu schließen und die Potenziale aus den Bestandsdaten zu nutzen. Eine aktive Verknüpfung aller potentieller Datenquellen und deren nachhaltige Auswertung und interaktive Rückkopplung untereinander ist definitiv das was in zwei bis drei Jahren Stand des Machbaren sein wird.

DeSH: Wie können die Prozesse im „intelligenten Sägewerk“ der Zukunft aussehen?

Neubert: An vielen Stellen ist dies derzeit schon zu beobachten und wird auch aktiv betrieben: mit Kameras und diversesten Sensoren werden die Produktion gesteuert, die Qualität kontrolliert, Abläufe optimiert und Prozesse selbst gesteuert. Dies geht aber nur soweit es die räumlichen Bedingungen und die externen Einflüsse zulassen. Bestes Beispiel hierfür ist die automatische Stammvermessung inklusive Aufteilung auf Listenauftragspositionen. Dieses Verfahren funktioniert absolut störungsfrei, wenn der Stamm optimal zur Verfügung steht. Doch im Winter passiert es immer wieder, dass durch Eisschichten auf dem Stamm die Messdaten falsch sind und nur durch das Eingreifen eines Mitarbeiters weitere Fehler vermieden werden können.

DeSH: Es wird also auch in der Smart Factory noch Mitarbeiter in der Fertigungshalle brauchen?

Neubert: Ja, im Sägewerk wird das Konzept ohne Fachkräfte, die das leisten, was aktuell nur der Mensch leisten kann, nämlich die spontane und freie Entscheidungen aufgrund von Erfahrung und Wissen, in den nächsten 10 Jahren definitiv nicht funktionieren. Ich spreche hierbei natürlich von Sägewerken, die sich auf Bauholzlisten und Losgröße 1 fokussieren und nicht von jenen, die hunderttausende Festmeter Standardware produzieren. Bei diesen Sägewerken können natürlich Prozesse mittels künstlicher Intelligenz gesteuert werden, da die Variantenvielfalt deutlich beschränkter ist.

DeSH: Wo steht die deutsche Holzwirtschaft in Sachen digitaler Vernetzung heute schon?

Neubert: Im Vergleich zu anderen Branchen steht die Sägewerksindustrie sehr gut da und kann auf viele tolle und gut durchdachte Lösungen zurückgreifen. Das Problem hierbei ist nur, dass sie derzeit von ein paar großen Anbietern dominiert wird, die meines Erachtens viel zu viele Inseln schaffen anstatt die Systeme offener zu gestalten. Diese Aufgabe müsste die Branche geschlossen angehen. Mit gemeinsamen Standards könnten übergreifende Systemen geschaffen werden, die aus den Erfahrungen der Einzelnen lernen. Das würde die Gemeinschaft gezielt nach vorne bringen. Denn die künstliche Intelligenz lebt von maximalem Input. 

DeSH: Wo sehen Sie für die Betriebe konkreten Handlungsbedarf?

Neubert: Im Ausbau der IT-Infrastruktur, im Schaffen eines aktiven Bewusstseins für das Potenzial und Kapital, das in den Daten liegt und in der entsprechenden Absicherung vor ungewolltem externen Zugriff. Der größte Optimierungsbedarf neben der Abschaffung der Insellösungen liegt in der aktiven Nutzung der bereits zur Verfügung stehenden Daten.

DeSH: Was müssen die Unternehmen beachten, um die Chancen der "Industrie 4.0" für sich zu nutzen?

Neubert: Der Anteil der akademisch ausgebildeten Mitarbeiter muss in den nächsten Jahren deutlich zunehmen. Nur hierdurch kann sich ein Unternehmen auf die Anforderungen der Industrie 4.0 vorbereiten. Denn die Einsparung der Arbeiter in der Produktion kann nur durch qualifiziertes Personal in der Planung und Steuerung kompensiert werden. Aber das Wichtigste überhaupt ist es, das Bewusstsein für die Unternehmensziele zu schärfen. Ansonsten wird man durch die Masse der Daten erschlagen und hat keine Chance, daraus Potenzial zu schlagen. Denn vielen Unternehmen fehlt trotz Datenerhebung ein Mitarbeiter oder ein Berater, der diese analysieren und gezielte  Optimierungsmaßnahmen daraus ableiten kann.

Anmeldung unter www.saegewerkskongress.de